Konzert ...::... Respiratio - Vier Elemente: LUFT Drucken

"Ich hauche euch meinen Geist ein, dann werdet ihr lebendig" 
(Ezechiel 37, 14).

Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Freunde und Freundinnen des Vokalensembles Josquin des Près,

Als Auftakt eines geplanten vierteiligen Zyklus über die vier Elemente laden wir Sie ein zu einer Betrachtung über " Luft - Atem - Geist".

 

Die vier Elemente - Luft

 

Die enge assoziative Verbindung dieser Begriffe rührt unter anderem aus der hebräischen Tradition, das Wort "ruach" als "Atem" oder "Wind" mit "Geist" gleichzusetzen. 
Aber auch im Aramäischen bedeutet "rwh" neben "Wind" auch "Geist", im Arabischen gleicht "ruh" (Lebensodem) dem "rih" (Wind). Das Altgriechische verwendet "psychein" ebenfalls in einem umfassenden Sinn von "hauchen, atmen, leben".

Betrachtet man die zentrale etymologische und theologische Bedeutung dieses Elements, so verwundert es, dass die initiale Inspiratio, der Akt der Beatmung und Belebung des Adam, in der sakralen Tonsetzung kaum Beachtung fand: "Da formte Gott, der Herr, den Menschen aus Erde vom Ackerboden und blies in seine Nase den Lebensatem. So wurde der Mensch zu einem lebendigen Wesen" (Moses 2, 7).

Umso mehr freut es uns, dass Stefan Hippe diese interpretatorische Lücke schließt. Unter dem Eindruck des kürzlich erloschenen Lebensatems seines Kompositionslehrers lässt Hippe in "Atem 1946" das Moses-Zitat aus einem suchenden Summen zu einem kraftvollen, strahlenden D-Dur anwachsen, verschränkt geistreich den lateinischen mit dem deutschen Text und versteckt neben den Initialen seines Lehrers die Siebenfaltigkeit des Geistes in virtuosen Septolen. (Vgl. Pfingsthymnus: Heilger Geist, wir bitten dich, gib uns allen gnädiglich deiner Gaben Siebenzahl).

Eine neutestamentarische Szene illustriert den Akt der Respiratio, der Wiederbelebung. Die Trauer der Schwestern des verstorbenen Lazarus rührt Jesus zu diesem Zeichen seiner den Tod überwindenden Macht. Clemens non Papa legt den unbezwingbaren Ruf Jesu "Lazarus, komm heraus" (aus dem Grab) in einem maximal gedehnten Bogen in die zweite Stimme seiner sechsstimmigen Motette "Fremuit Jesus".

Eine exemplarische Exspiratio, das Aushauchen des Lebensatems, stellen die letzten Jesu Worte am Kreuz dar. " Vater, in deine Hände befehle ich meinen Geist. Und er neigte sein Haupt und gab seinen Geist auf" vertonte 2010 auch der polnische Komponist Pawel Lukaszewski, aus dessen Zyklus Responsoria tenebrae wir Ihnen bereits vor zwei Jahren andere Abschnitte präsentierten durften.

Nicht nur in der Romantik dienten Naturbeschreibungen als Symbol der Darstellung innerer Befindlichkeiten und existentieller Fragestellungen.

So lässt Giaches de Wert auf dem See Genezareth einen Sturm aufkommen und Boot und Rhythmik gehörig ins Schlingern geraten, bevor Jesus der aufgewühlten See (und der Seele) Ruhe gebietet.

Hans Sommer nimmt in seinem "Wanderers Nachtlied" diese Ruhe auf. Goethes berühmtes Gedicht vollzieht den melancholischen Schluss: "
... in allen Wipfeln spürest du kaum einen Hauch... Warte nur, balde ruhest du auch."

Und schließlich zeigt eine zweite, diesmal von Georg Grün bearbeitete Clytus Gottwald- Transkription die "Mondnacht" von Robert Schumann in einem tröstlichen, sanften Licht. Eichendorff stellt in seinem hinreißenden Gedicht ebenfalls eine Beziehung her zwischen der Luft, die durch die Felder geht und dabei die Ähren sacht wogen lässt und der sorgenbefreiten Seele, die sich erhebt "als flöge sie nach Haus".

Das Wehen des heiligen Geistes findet seine Ausdeutung in zwei grundlegend unterschiedlichen "Veni Sancte Spiritus"-Vertonungen.
Josquins sechsstimmige Version ist ein Meisterwerk polyphoner Renaissance-Musik und ebenso eine Herausforderung wie Sven Davids Sandströms ca. 500 Jahre jüngere Komposition. Der vielstrophige Pfingsthymnus erlebt darin eine ungemein abwechslungsreiche, deklamatorische und tonmalerische Entsprechung.

Eine wortgewandte Illustration der Verbindung von Pfingsten, Luft und Hauch liefert Sibylle Lewitscharoff in ihrem Roman "Das Pfingstwunder": 

"Reihum begannen die Leute in Zungen zu reden, wobei ein munteres Respondieren anhob, in einem gemischten Idiom, in dem sich afrikanische Klick- und Schnalzlaute ebenso fanden wie dahinrollende Rrrrr, Zungenbrecher aus werweißwelchen Sprachen, langgezogene Vokale, tirilierende I-Laute, Labiale und Frikative, gemütliche M und N, im Rachen gebildete und auf Verschluß gebrachte K, undsoweiter undsofort… Hauchlaute, fein und zart, wie von Engeln beatmet und entlassen, schwebten im Raum….Überhaupt, die Hauche! Ihr seelenaufschließendes Vermögen, ihr inspirierendes Vorauswehen vor den Vokalen - in der pfingstlichen Rede sind sie die glücksverheißenden Botenwinde.” (S.331/332).

 

Wir laden Sie herzlich ein zu unserem Frühjahrs-Projekt mit Konzerten

in der Herz-Jesu-Kirche Erlangen, Katholischer Kirchenplatz 12 
am 25. Mai 2019 um 19:30 oder

in der St. Klara Kirche Nürnberg, Königstraße 64
am 26. Mai 2019 um 16:00.

 

Raimund Schuler, Vokalensemble Josquin des Prés

 

Aktualisiert ( Dienstag, 30. April 2019 19:57 )