Konzert - Hoffnungsschimmer PDF Drucken E-Mail
Vokalensemble Josquin des Pres Nürnberg :: Konzert: Hoffnungsschimmer

 

 

HOFFNUNGSSCHIMMER

 

Psalm 39,8: Und nun, Herr, worauf soll ich hoffen? Auf dich allein will ich harren. 1 Korinther 13;13: Für jetzt bleiben Glaube, Hoffnung, Liebe, diese drei; doch am größten unter ihnen ist die Liebe.

 

Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Freunde und Freundinnen des Vokalensembles Josquin des Prés,

 

womöglich gehen Sie in Gedanken vor Neugier schon unruhig hin und her mit der Frage, was Sie in diesem Frühjahrskonzert erwartet. Dieses unruhig-wartende Gespanntsein beschreibt das mittelniederdeutsche "hopen", der etymologischen Wurzel unseres "Hoffens".

Dem Hoffnungsschimmer wollen wir also unser aktuelles Programm widmen und den Blick lenken auf dieses Phänomen, das bei genauerer Betrachtung Licht- und Schattenseiten aufweist. Dieses Zwiespältige zeigt sich auch im Deutschen, wo Hoffnung im Singular meist positiv, im Plural aber negativ belegt ist.

 

Josquins vierstimmiges "In te Domine speravi" verdichtet die ganze Ambivalenz. Dem schlichten, ja harmlos volkstümlichen Lied im sogenannten Frottola-Stil ist ein erschütternd ernster Text unterlegt, ein befremdlicher Kontrast zwischen musikalischem Charakter und Textaussage, wo wir u.a. hören: "...all meine Hoffnung ist dahin, von meiner großen Hoffnung bleiben mir nur Seufzer und Tränen".

 

Zum Marienmonat Mai fügen sich zwei Hoffnungsaspekte zwanglos in das Programm:

Zum einen das "Guter Hoffnung sein" und das Erblühen der Dornen, bekannt aus einem anderen kirchenjahreszeitlichen Kontext, zum anderen das "Salve Regina": "Mutter der Barmherzigkeit, unser Leben, unsere Wonne und unsere Hoffnung, sei gegrüßt". Sie hören die Version dieser marianischen Antiphon von Francis Poulenc (1899-1963) aus dem Jahr 1941.

 

Setzt Hoffnung immer Verzweiflung voraus?

 

Girolamo Savonarola verfasste im Mai 1498 im Kerker zwischen Folter und Hinrichtung eine Meditation über Psalm 51, sein berühmtes "Infelix ego" (Ich Unglückseliger): "Zu dir also, heiligster Gott, komme ich traurig und weinend, denn nur du bist meine Hoffnung, du allein meine Zuflucht." Sein Text, welcher rasch auf den klerikalen Index der verbotenen Bücher gelangte, wurde schon bald vielfältig musikalisch umgesetzt.

William Byrd (1538-1623) zelebriert die Worte des streitbaren, exkommunizierten Kirchenkritikers in einem Musterbeispiel englischer Renaissancemusik. Aufgrund des Umfangs der Motette beschränken wir uns in unserem Konzert auf den dritten Teil. In die Tradition der Infelix-Vertonungen reiht sich der lettische Komponist Erik Esenvalds (*1977) ein. Er bezieht sich dabei ausdrücklich auf das Vorbild William Byrds, zitiert dessen Motette im Verlauf seines knapp 12 minütigen Werkes mehrfach wörtlich und liefert damit ein klangvolles Beispiel für die Verbindung aus Alt und Neu. Die Hoffnung schimmert nicht zuletzt im überraschenden D-Dur des misere mei kurz vor Schluss.

 

Ist uns die Hoffnung nun Rettung oder Rache?

 

Einer der griechischen Schöpfungsmythen stellt uns als erste, im Auftrag von Zeus erschaffene Frau Pandora vor. Von Genderkritik vollkommen unbelastet überträgt er ihr alle schlechten Eigenschaften des Menschen und überlässt ihr die folgenschwere Büchse, gefüllt mit allen denkbaren Plagen, Übeln und Gebrechen. Zuunterst fand sich zwischen Elend, Krankheit und Streit die Hoffnung. Ob sie Gelegenheit fand, nach allem Schlechten aus Pandoras Büchse zu entkommen, wird kontrovers diskutiert.

 

Friedrich Nietzsche zumindest geht davon aus. Folgert allerdings desillusionierend: Zeus wollte nämlich, dass der Mensch, auch noch so sehr durch die anderen Übel gequält, doch sein Leben nicht wegwerfe, sondern fortfahre, sich immer von Neuem quälen zu lassen. Dazu gibt er dem Menschen die Hoffnung: Sie ist in Wahrheit das übelste der Übel, weil sie die Qual der Menschen verlängert (Menschliches, Allzumenschliches. 1878).

 

Symbole der Hoffnung

Den Klang der Angelusglocke stimmt Claude Debussys "Les Angelus" an. Clytus Gottwald (*1925) erschließt dieses impressionistische Sololied in seiner Transkription für sechsstimmigen Frauenchor und trifft dabei den melancholischen Ton des zugrundeliegenden Gedichts von Gregoire Le Roy: Christliche Glocken zur Frühmesse, deren Klang das Herz noch hoffen lässt, durch das Morgenrot engelhaft verklärtes Angelusläuten. --- Ach! Die Angelusglocken beweinen den Tod, und hier, in meinem verzweifelten Herzen, schläft die einsame Witwe aller Hoffnung.

 

Neben Alexander Puschkin zählt Michail Lermontow (1814-1841) zu den wichtigen literarischen Vertretern der russischen Romantik. Tina Andersson (*1966) gewann mit ihrer Vertonung seines Gedichtes " The Angel" den Kompositionswettbewerb der Abbey Road Studios 2011. Der Mond und die Sterne der Nacht lauschen dem Engel, der eine knospende Seele im Arm trägt, eine Seele, die von traumhafter Sehnsucht umwacht, ihre Hoffnung setzt auf den Klang des Himmels: ...and never it fades, that tone of God.

 

Eine zweite Transkription von Clytus Gottwald gilt dem Altsolo aus Gustav Mahlers 2. Symphonie. Mahlers Ringen um die zentrale Aussage seiner Komposition schafft im 4.  Satz ein Mirakel, eine Neuerung, wenn zum ersten Mal in seinem symphonischen Schaffen die menschliche Stimme erklingt. Ein Gedicht aus der Sammlung Des Knaben Wunderhorn verklärt die transzendente Sehnsucht des Menschen, aus der irdischen Drangsal (und Pandoras Fluch) zu entkommen und setzt ihr in kindlicher Diktion als ultimative Rettung das "Urlicht" entgegen:

Der liebe Gott wird mir ein Lichtlein geben, wird leuchten mir bis an das ewig selig´Leben!

 

Damit schließt Mahler den Kreis zu Lermontows Engel, zu Le Roys Angelusglocken, zur Verzweiflung aller Verlassenen und vertraut auf die Worte des Propheten Jeremias: Denn ich, ich kenne meine Pläne, die ich für euch habe - Spruch des Herrn -, Pläne des Heils und nicht des Unheils; denn ich will euch eine Zukunft und eine Hoffnung geben.

 

Wir laden Sie herzlich ein und hoffen, Sie am

 

Samstag, 5. Mai 2018 um 19:30 in Herz Jesu in Erlangen oder am

Sonntag, 6. Mai 2018 um 16:00 in Sankt Klara in Nürnberg begrüßen zu dürfen.

 

Raimund Schuler, Vokalensemble Josquin des Prés


 

Aktualisiert ( Sonntag, 22. April 2018 20:41 )